Buchkritik: C.S. Lewis – Pardon, ich bin Christ. Meine Argumente für den Glauben

Um nicht zu einseitig zu werden habe ich mir das im Titel genannte Buch besorgt, und in einem Tag gelesen. (Was bei unter 200 Seiten nicht weiter schwer war, selbst nach mehrmaligem lesen einiger Passagen).

Fangen wir mit dem Buchrückentext an, um zu sehen was das Buch uns vermitteln will:

Müssen wir wirklich den Verstand über Bord werfen, um an das Christentum glauben zu können? Solchen und ähnlichen Vorurteilen begegnet Clive Staples Lewis, der bekannte englische Dichter, Philosoph und Gelehrte, mit einer messerscharfen und daher schlüssigen und überzeugenden Argumentationsweise. Er zeichnet dabei ein atemberaubendes Panorama: Im Letzten zwar geheimnisvoll wie der Urgrund aller Dinge selbst, wirft der Glaube dennoch ein unvergleichlich helles Licht auf alles, was ist. Ein Plädoyer für den Glauben, das durch seine Klarheit und Präzision besticht und zu einer echten Auseinandersetzung mit den christlichen Grundfragen herausfordert. “Pardon, ich bin Christ” ist nicht nur der Klassiker schlechthin, sondern seit vielen Jahren ein beliebter Bestseller.

Da der Autor als “Philosoph” bezeichnet wird, und das Buch in seiner “Klarheit und Präzision besticht” setz(t)e ich hohe Maßstäbe. Es erschien 1977, was natürlich zu berücksichtigen ist.

Das Werk gliedert sich in 4 Kategorien: 1. Recht und Unrecht, 2. vom Glauben der Christen, 3. Gebrauchsanweisung für den Menschen, 4. Jenseits der Persönlichkeit.

Im ersten Teil geht Lewis auf die Evolutionslehre ein (rudimentär), und stellt fest das es dem Menschen frei stehe, der Menschlichen Natur zu gehorchen oder nicht. Er führt an das wir einen “Überlebenstrieb” haben, und ebenso auch einen altruistisch geprägten Sinn für das Wohl der Population. Das, was letzten Endes zwischen beiden entscheidet trennt er als drittes Element klar ab. Da er davon ausgeht das ein gutes Ergebnis von einer höheren Macht gewünscht ist, sieht er das Wirken dieser Macht in diesem dritten Element, und sieht die getroffene Entscheidung wenn sie a) gut ist als Ergebnis göttlichen Eingreifens oder b) wenn Sie schlecht ist als Ergebnis göttlichen Unterlassens. Den Umkehrschluss zieht er nicht, was ich philosophisch betrachtet leider vermisse. Oft findend man das Beispiel eines “Orchesters”, das ohne einen “allmächtigen Dirigenten” keinen Sinn machen würde.

Er kommt zu dem Schluss, das wir dadurch, das wir Dinge als “Gut” oder “Böse” bewerten, und diese Dinge auch in “Besser” oder “Schlechter” kategorisieren, ein Maximum haben müssen, mit dem wir vergleichen. Seine These besagt: “Damit aber geben wir zu, daß es unabhängig von dem, was Menschen denken, so etwas wie eine letzte Richtigkeit gibt [...]“. Zum Thema des Verhaltens der Menschen innerhalb einer Population geht er davon aus, das der Mensch zwar selbstlos handeln kann, um seine Gruppe zu schützen, dies aber nicht tun würde, da er selbst keinen Vorteil erzielen würde. Auf den Gedanken, das er sehr wohl einen Vorteil am Fortbestand oder der Verbesserung / Erhaltung der Lebensumstände hätte, kommt er nicht, er verwirft ihn sogar ungesehen. Er subtrahiert das Individuum selbst aus der Gruppe, um diesem Argument auszuweichen.

Die Naturgesetze, die für jeden Körper auf der Erde gelten, sieht er als “vielleicht gar nichts Wirkliches”, und zieht daraus den Schluss das es etwas “wirkliches, nicht von uns erfundenes geben muss”. Er trennt anschließend zwei Weltanschauungen: Die wissenschaftliche, in der durch Zufall Leben entstand, und die Religiöse. Da er der Wissenschaft die Fähigkeit abspricht, hier die “richtige” Sichtweise zu ermitteln, schließt er auf die Richtigkeit der Religiösen Sicht. Dies untermauert er durch sein wissenschaftliches Vorgehen beim aufstellen dieser These. Dadurch, das Forscher “nur beobachten können, aber nicht vorhersagen” beschließt er das die Forschung zwar notwendig, aber wann immer Sie mit dem Wort Gottes korreliert, Unsinn ist. Warum Forscher nicht vorhersagen können sollten sagt er nicht.

Er untermauert seine These eines persönlichen Gottes folgendermaßen: “Wir müssen wohl annehmen, das es [- "das" Gott (neutrum), Anmerkung von mir] mehr einer Intelligenz ähnelt als irgendetwas anderem uns Bekannten, den schließlich ist das einzige andere, das wir kennen, die Materie.”. Den Beweis sieht er auch darin das 1. eine Welt erschaffen wurde und 2. ein sittliches Gesetz in unseren “Geist gelegt wurde”. Alle Argumente dagegen nennt er “umständliche Versuche, dem Offensichtlichem auszuweichen” und schlussfolgert: “Der Atheismus hat sich also als zu einfach erwiesen.”. Später geht er darauf ein wie geheimnisvoll und “verwickelt” der Vorgang sei, einen Tisch zu betrachten.

Ab Seite 57 entwickelt sich eine sehr schöne These zu Jesus Christus: “Entweder war – und ist – dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres.” – “Nun scheint mir allerdings klar das er weder ein Irrer noch ein Teufel war; [Schlussfolgerung]“. Man könnte mit der gleichen Logik auch beweisen das Jesus eine Kartoffel war.

Praktisch zieht er die Schlüsse, das zum Beispiel: “unnatürliche Gefühle, die Ihren Ursprung in einer unterbewussten Fehlentwicklung haben”, wozu “der pervertierte Wunsch eines Mannes nach einem anderen Mann” gehört ein Fall für die Psychoanalyse seien, das “schlechtes psychisches Rohmaterial keine Sünde, sondern eine Krankheit” ist, die “geheilt, nicht bereut werden muss”. Den ungezügelten Sexualtrieb, auch zwischen Mann und Frau, sieht er in einem “widersinnigen Verhältnis zu seinem biologischem Zweck”. Bonobo-Äffchen scheint er nie gesehen zu haben. Er führt Impotenz und Krankheit im allgemeinen auf den Verfall der Sitten zurück.

Zum Thema Ehe hat er lustigerweise auch etwas zu sagen (Er war sein Leben lang unverheiratet). Vorweg sei erwähnt, das er über den bekannten Psychologen Freud sagt: “Wenn Freud darüber spricht, wie man Neurotiker heilt, dann spricht er als Spezialist über sein eigenes Fach; wenn er aber dazu übergeht, zu philosophieren, spricht er als Laie. Es ist deshalb vernünftig, in dem einen Fall mit Respekt auf ihn hören und in dem anderen nicht – und genau das tue ich.”
Ein Teil seiner Gedanken zu (christlichen) Ehe: “Nun – zum einen, sollte jemand wirklich ernsthaft wünschen, es sollte die Frau sein [... die das Oberhaupt der Familie ist, Anmerkung von mir]?”, der Mann habe “das letzte Wort, um andere vor dem allzu ausschließlichen Familiensinn seiner Frau zu schützen.” (Wofür er auch ein praktisches Beispiel bringt, obwohl er vorher Gott dadurch “bewies” das man keine Vorhersagen treffen kann).
Seine Qualifikation, sich zur Ehe zu äußern, sieht er darin das er als “Außenstehender manches klarer [sieht] als der unmittelbar Beteiligte”.

Später geht er auf Moral, Demut, das Christentum als Quelle der Weisheit und Tugenden im Allgemeinen ein, was aber hier zu spezifisch werden würde, und vor allem: Da es sich auf die obigen Thesen stützt berücksichtige ich es nicht mehr. Wer sich von Anfang an verrechnet soll nicht ab der Mitte korrigieren.

Fazit für mich: Wer hier nicht behutsam liest, kann wirklich “eingelullt” werden von der abstrusen Logik des Autors. Beispiele die sich selbst beweisen sollen findet man zuhauf, wirklich nachgedacht hat der Autor nicht. Kruse Vorstellungen an ein “traditionelles” Bild der Familie, was eher gegen die Rechte der Frauen und der Homosexuellen geht, als irgendwie fördernd zu sein, werden aufgestellt durch passend zurecht gelegte Einzelfälle als richtig gewertet. Umkehrschlüsse werden komplett ignoriert. Völliger Müll, wenn es nicht als abschreckendes Beispiel dienen könnte.

Ich finde es gut das er sich im Buchtitel schon für seine Weltanschauung entschuldigt.

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