Anders Behring Breivik – christlicher Fundamentalist?
Derzeit geht durch viele christliche Medien ein Aufschrei. Das der Anschlag in Oslo eine Bezug zur Bibel haben soll, das “einer von Ihnen” dafür verantwortlich ist das so viele Menschen sterben mussten, trifft härter als die Tat an sich.
Aber kann man wirklich von einem christlichen Fundamentalisten sprechen?
Definieren wir erstmal:
Fundamentalismus ist eine Überzeugung, die ihre Interpretation einer inhaltlichen Grundlage (Fundament) als einzig wahr annimmt.
Quelle: Wikipedia.
Als Christ wird ein Anhänger des Christentums bezeichnet.
Quelle: Wikipedia.
und zur Sicherheit nochmal die Definition der Taufe:
Die Taufe ist ein Ritus, der im Christentum seit der Zeit des Neuen Testaments und in allen christlichen Konfessionen den Eintritt in das Leben als Christ bedeutet.
Quelle: Wikipedia.
Ein “christlicher” “Fundamentalist” müsste sich also:
a) als Anhänger des Christentums sehen, und / oder eventuell eine Legitimierung dieser Ansicht in einer Taufe / Kommunion / Konfirmation erfahren haben.
b) das “Fundament” des Christentums als absolute und einzige Wahrheit annehmen.
In seinem Manifest: “A European Declaration of Independence” finden sich hierzu folgende Zitate:
Unfortunately, that has not stopped the cultural critics from indoctrinating this new generation in ” [...] ” a course designed to denigrate the Bible as cleverly crafted fiction instead of God’s truth
S. 28ff.
Unlike the Quran, the Bible is a huge collection of documents written by different people at different times in different contexts, which allows for much greater interpretative freedom.
S. 99ff.
Es wird hier klar von “Gottes einziger Wahrheit” gesprochen, zu der es mehrere Interpretationen geben soll. Eigentlich genau die Definition von “Fundamentalismus”.
Allgemein bekannt ist wiederum, das Breivik im Alter von 15 Jahren auf eigenen Wunsch hin getauft wurde. Oft wird jetzt das folgende Zitat angeführt, um irgendwie den Bezug zum Christentum zu nehmen:
Myself and many more like me do not necessarily have a personal relationship with Jesus Christ and God. We do however believe in Christianity as a cultural, social, identity and moral platform.
S. 1307ff.
Wichtig: Hier wird nicht gesagt das er keinen persönlichen Bezug zu Jesus Christus und Gott hat! “not necessarily” bedeutet laut dict.cc (und Allgemeinbildung, wenn man es da findet): “nicht zwangsläufig” od. “nicht notwendigerweise”.
Auch “however” ist keine Verneinung, sondern ein: “allerdings”.
Mal die Übersetzung des Satzes zur Vereinfachung:
“Ich und viele wie ich haben nicht zwangsläufig eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus oder Gott. Wir glauben allerdings in die Christlichkeit als eine kulturelle, soziale Plattform der Identität und Moral.”
Im ersten Satz wird nur gesagt das eben keine persönliche Beziehung da sein kann (Konjunktiv!) – über den “ist-Zustand” wird nichts gesagt! (Wer etwas im Manifest findet der korrigiere mich bitte.) Im zweiten Satz wird klargemacht, das wie auch immer diese Beziehung aussehen mag, auf jeden Fall bestimmte Punkte wahr sind – unabhängig vom ersten Satz!
Es folgt direkt auf diese Sätze folgendes:
This makes us Christian.
Es macht, im Interesse der Gesellschaft, keinen Sinn auch nur ansatzweise zu leugnen das ein christlicher Fundamentalist, mit der Bibel an seiner Seite und seinem festen Glauben in einen “allmächtigen, unfehlbaren Gott” auszog um diese schreckliche Tat zu begehen.
Die Rechtfertigung: “Er hat die Lehre Jesu Christi nicht verstanden, es geht doch um Nächstenliebe” greift hier nicht. Auch er handelte in Nächstenliebe. Er handelte gegen die, die ihm am Fernsten war, für sein Land wie er selbst dachte.
Wir haben hier ein massives Problem. Wann immer das “Wort Gottes”, eines “allmächtigen und unfehlbaren Schöpfers” als Grundlage menschlichen Denkens und Handelns fungiert, wird es auch Menschen geben die darunter unsägliches Leid erfahren.
Die Geschichte des Christentums ist eine Geschichte von Unterdrückung, Gewalt, Märtyrertum und nicht zu letzt: Die Geschichte einer absoluten Wahrheit, deren Nichtbeachtung direkt in die Hölle, ein Dasein ewiger Qualen und ewigen Feuers führt. Und sie ist um ein Kapitel reicher geworden.
Solange diese Geschichte weiter lebt, der “lebendige Glaube” anstatt des “wachsenden Wissens” unsere Doktrin bleibt, solange sterben Menschen für nichts und wieder nichts.
Each Christian must now make their own personal decision on all of this. You can either choose to learn how to rise up in the power of your Lord and Saviour and learn how to become a true warrior in the Lord, or you can continue to keep your head in the sand and oppressor after oppressor keep beating you down. The choice is yours.
S. 1330ff.
Anhang entfernt. Das Potential das Manifest zu mißbrauchen ist einfach zu groß.
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